über mich

Mein Leben ist ein einziges Experiment in Freiheit.
In jungen Jahren habe ich die Kompositionsaufnahmeprüfung an fünf Musikhochschulen gemacht — und bin überall gescheitert. Es war das Beste, was mir passieren konnte. Wer in kein System kommt, wird von keinem System geformt. Ich war frei: frei zu lernen, wo immer etwas zu lernen war. Frei, Dinge anders zu denken. Frei, mich für alles zu begeistern — und diese Begeisterung hält bis heute an.

Diese Art des Denkens kommt nicht von ungefähr. Als Kind habe ich leidenschaftlich Dinge repariert — nicht weil ich musste, sondern weil es mich faszinierte: ein kaputtes Ding, ein Problem, und irgendwo eine Lösung, die noch niemand gefunden hat. Wo professionelle Handwerker aufgaben, da fand ich einen anderen Weg — nicht weil ich besser war, sondern weil ich unbefangener war. Weil ich keine Kategorie im Kopf hatte, die sagte: das macht man so, und nur so. Dieses Denken hat mich durch mein ganzes Leben begleitet — durch die Musik, durch die Kulturen, durch die Arbeit an mir selbst.

Aufgewachsen mit alpenländischer Volksmusik war die Zither mein erstes Instrument. Früh entdeckte ich dann meine Leidenschaft für die Musik des frühen 20. Jahrhunderts — Béla Bartók, Olivier Messiaen. Diese Spannung zwischen zeitgenössischer Komposition und Volksmusik hat mich nie losgelassen, und aus ihr entstand ein Stil, der in keine gängige Schublade passte.

1993 führte mich ein DAAD-Stipendium nach Shanghai um die klassische chinesische Zither Guqin zu studieren, bei Gong Yi, einem der bedeutendsten Guqin-Meister Chinas. Was ich dort lernte, veränderte mein Verständnis von Musik grundlegend. Das Wesen chinesischer Musik liegt in der Linie — in der Mikrovariation eines einzigen Tons, in der Stille zwischen den Noten. Das Wesen westlicher Musik liegt in der Harmonik, in der Struktur, in der Dramaturgie. Seitdem war meine Arbeit: diese beiden Denkweisen miteinander ins Gespräch zu bringen — ohne die eine der anderen zu opfern.

In Shanghai lernte ich die mongolische Sängerin Urna Chahar-Tugchi kennen und begann für sie zu komponieren. Wir zogen zurück nach Deutschland, tourten durch Europa und nahmen Alben wie Tal Nutag und Hödööd auf.

Mit 30 begann ich zu meditieren.

Mit 35 zog ich erneut nach China, diesmal nach Peking und lernte die Sängerin Gong Linna kennen. Im Jahr 2010 ging dann die für sie geschriebene Komposition 忐忑 (Tan Te) viral — ein hochvirtuoses Stück, das Stimmtechniken der chinesischen Oper in ein modernes Kammermusikkonzept überführt. Es folgten Jahre großer Konzertsäle, vieler Fernsehauftritte und Vorträge, Shows und Interviews. Ich war nun in China nicht nur als bedeutender Wegbereiter einer neuen chinesischen Kunstmusik anerkannt, sondern hatte als 老锣 (Lao Luo, mein chinesischer Name) tatsächlich den Status einer Celebrity erlangt. Prof. Zhong Zilin vom Zentralen Musikkonservatorium Peking schrieb: „Dass Lao Luo als Ausländer mehr Gedanken in die Zukunft der chinesischen Musik investiert hat, dass seine Kompositionen die Seele Chinas beredter sprechen als die seiner chinesischen Kollegen — das ist eine große Leistung.“

Aber zu sehr war das Gekünstelte und nicht das Kunstvolle und das Natürliche in dieser Welt gefragt. Und so zog ich mich vor einigen Jahren wieder bewusst aus diesem Leben zurück.

Was mich über viele Jahre und bis heute beschäftigt, ist die Vertonung klassischer chinesischer Lyrik. Über hundert Gedichte habe ich vertont — von Li Bai, Du Fu, Bai Juyi, Qu Yuan, Su Shi und anderen. Was mich dabei fasziniert, ist nicht das Historische, sondern das Lebendige: dass diese viele Jahrhunderte alten Texte etwas tragen, das noch immer unmittelbar berührt. Und es scheint, als hätte ich bei diesen Vertonungen eine besondere Gabe. Wang Jiyan, Musikwissenschaftler an der Chinesischen Akademie der Künste, schrieb einmal: „Seine Meisterschaft im Kunstlied ist außerordentlich hoch. Diese Erfassung des Wesens der klassischen chinesischen Poesie lässt selbst viele akademische Komponisten im Inland beschämt zurück.“ Und Frank Kouwenhouven, Präsident der European Foundation for Chinese Music Research, formulierte es so: „Lao Luo ist der Schubert der modernen Welt — ein genialer Erfinder herzerwärmender Melodien und ein vollendeter Meister der Harmonie.“

Mit etwa 50 Jahren begann ein anderer Prozess. Einer, der nicht mehr nach außen führte. Intensive Arbeit an mir selbst — Dekonditionierungsprogramme aus dem Osho-Kontext (Primal, AFH), eine Ausbildung in frühkindlicher Dekonditionierung. Mein Wandel war fundamental und veränderte mein Verständnis von Leben und Freiheit grundlegend. Als ich dann selbst begann als Lebenscoach zu arbeiten, entwickelte ich eine eigene Ausrichtung und ein eigenes System. Mein Fokus richtete sich auf Klarheit — nicht im Sinne von Gewissheit, sondern im Sinne von Bewusstsein. Im Zentrum steht dabei, das eigene Konditioniertsein zu erkennen, zu verstehen woher es kommt — und damit die Fähigkeit zu gewinnen, es zu verändern. Nicht Befreiung von sich selbst, sondern Bewusstsein von sich selbst.

Heute bin ich als freier Lebenscoach tätig — und nach wie vor als Musiker und Komponist. Beides gehört zusammen. Das Hören nach innen und das Hören nach außen. Die Freiheit vom System und die Neugier auf alles.